Donnerstag, 4. Juni 2026
Soweit ich mich erinnern kann, bin ich noch nie durch eine Prüfung gefallen. Das liegt vor allem daran, dass ich mir den PKW-Führerschein gespart habe. Autofahren ist was für Spießbürger. Ich bin cool und lasse mich kutschieren.

Nun besteht aber eine nicht geringe Wahrscheinlichkeit, dass ich diese Versagenserfahrung nächsten Freitag nachholen werde. Allerdings nicht für PKW, sondern für "Sportboote unter Segel". Siebenunddreißig Fragen in 60 Minuten beantworten - ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte, dass ich diesen Teil der Prüfung schaffen werde. Auch die Knoten sollte ich hinbekommen, man hat ja zwei Versuche. Aber dann: Ablegen, Wende, Halse, Boje (genauer: Wasserkanister Markus) retten, anlegen.

Ich bin, was die praktische Intelligenz betrifft, schlicht und ergreifend minderbemittelt. Irgendwie war mir das schon immer klar, aber so richtig vollständig bewusst wurde mir das erst in den letzten Jahren. Vorletzte Woche stellte ich es wieder unter Beweis, als ich, ohne darüber nachzudenken, in eine angeschlossene Steckdose griff, weil ein Kontaktteil des Steckers darin steckengeblieben war. Wahrscheinlich war es mein Glück, dass der Stromschlag schon einsetzte, bevor ich richtig zugegriffen hatte. Gut, dieses Beispiel mag noch durch den Affekt des Moments wegzuerklären sein, aber andere, weniger wegerklärliche Beispiele gibt es zur Genüge. Als H. mich fragte, ob die von ihm bestellte Bierzapfanlage schon angekommen sei, und just an diesem Tag ein flaches, circa 20 Zentimeter großes Päckchen zugestellt worden war, antwortete ich "vielleicht".

Zurück zum Segeln. Hier kommt noch hinzu, dass ich unter Druck - etwa jenem Druck, der entsteht, wenn man unter Segeln in den Hafen einfahren muss - leicht in Panik gerate und mangels Emotionsregulation nicht in der Lage bin, Frustrationen - etwa jene Frustrationen, die entstehen, wenn man Markus nicht aus dem Wasser ziehen konnte - schnell zu verarbeiten. Gestern beim Üben klappte wenig und es wurde definitiv nicht besser dadurch, dass ich sofort wütend wurde und spätestens nach dem zweiten Fehlversuch beschloss, nicht zur Prüfung anzutreten. Was jetzt übrigens nicht mehr geht, ohne trotzdem die kompletten Gebühren entrichten zu müssen. Segeln, das musste ich in den letzten Wochen feststellen, gehört nicht zu den günstigen Hobbies. Dennoch war mir das Geld in diesem Moment scheißegal, ich war fest entschlossen, die Prüfung einfach sein zu lassen.

Das wäre selbstverständlich vollkommen irrational, wie überhaupt meine ganze Prüfungsangst irrational ist. Ich kann da einfach hingehen, versagen und nach Hause gehen - who fucking cares? Keiner nämlich.
Ich könnte sogar weiterhin segeln, ohne die Prüfung zu bestehen! Ich brauche diesen Schein gar nicht, den braucht man nämlich nur bei "Fahrzeugen unter 20 Metern Länge (ohne Ruder und Bugspriet) mit einer größeren Nutzleistung als 11,03 kW (15 PS) bei Verbrennungsmotoren bzw. 7,5 kW (10,20 PS) bei Elektromotoren (maßgeblich ist die Betriebsart S1 (Dauerbetrieb)". Ja, das ist eine Prüfungsfrage und ja, diesen Text habe ich hier reinkopiert. Man muss das nämlich nicht frei wiedergeben können, sondern lediglich eine Multiple Choice Frage beantworten.

Das Problem besteht bloß darin, dass einem in der Regel ohne Schein niemand ein Segelboot ausleiht. Aber erstens wird mir unsere Segelschule, die sich an dem einzigen Ort befindet, an dem ich jemals segeln wollen werde, bestimmt auch ohne Schein ein Boot ausleihen, weil sie mein Gesicht kennen, und zweitens wird H. die Prüfung sicher bestehen, und da ich sowieso immer nur mit H. segeln wollen werde, genügt das vollkommen.
Das Wichtigste - viel wichtiger als die Prüfung - sei ja auch, dass ich Segeln gelernt hätte, sagt H. In der Praxis sei doch vollkommen egal, ob ich wenige Zentimer an dem ständig über Bord gehenden Markus vorbeischwoje und ihn deshalb nicht an den Haaren zu packen bekomme. Der echte Markus hat ja eine Schwimmweste an und kann - das ist doch wirklich nicht zu viel verlangt, Markus! - ein klein wenig mit den Entenfüßchen strampeln, um ans Boot zu gelangen.

Also alles paletti. Darum schreibe ich diesen Text: alles paletti, Drüse! Wie dumm, sich wegen so einer Prüfung das neue Hobby madig zu machen.
Nach der gestrigen Misere haben wir unsere heutige Doppelstunde zu einer doppelten Doppelstunde umgebucht. Doppelt doppelter Spaß! Kein bisschen habe ich null Bock, kein bisschen denke ich darüber nach, mich selbst zu sabotieren und jegliche Vorbereitung sausen zu lassen, vielleicht sogar absichtlich durch die theoretische Prüfung zu fallen, damit es nicht allein an der praktischen lag (nein, das wäre wirklich gar zu dumm: mit der theoretischen kann man theoretisch nämlich noch den Motorbootschein machen, was, wie ich hörte, deutlich einfacher ist als Segeln).

Im Übrigen, auch das lohnt der Feststellung, ist ja noch gar nicht gesagt, dass ich durchfallen werde! Das sind uns die Liebsten, nicht wahr: Heulen eine Woche vorher rum, wie wenig sie können, nur um dann geradezu durch die Prüfung zu segeln (haha).

Könnte natürlich auch sein, dass ich mich mit dem Fuß in einer Schot verheddere und so falle, dass ich mit dem Kopf unter Wasser, mit den Füßen aber noch an Bord hänge, mich nicht aufrichten kann und so nachhole, was die Steckdose nicht geschafft hat. Ich würde es mir zutrauen.




Sonntag, 17. Mai 2026
Ob andere Leute auch so hässliche Gedanken haben, frage ich mich gelegentlich, aber ich bin mir fast ganz sicher, dass H. nicht solche Gedanken über mich hat, wie ich sie über ihn öfter habe, und das trägt wohl dazu bei, dass H. insgesamt ein netterer, ausgeglichenerer, seelisch unbeschwerterer Mensch ist als ich. Ein Mensch, den die Menschen mögen - ganz besonders ich - ganz anders als mich - und das ganz zu Recht.

Als H. verkündete, er werde wohl krank, rümpfte ich innerlich die Nase. Schon wieder, dachte ich, und war ja klar und jetzt wird er sich schon wieder vorm Sport drücken. Ich schalt mich einen Unempathen und verbat mir weitere Gedanken in diese Richtung. Tags darauf war die Erkältung tatsächlich da und seine Nase lief ganz ungeniert. Am zweiten Tage, da sich bei mir immer noch keine Symptome regten und ich mich in Sicherheit wähnte, geriet ich abermals ins Denken, diesmal jedoch in einer weniger herabsetzenden als vielmehr mich selbst überhöhenden Weise, ja ich geriet geradezu ins Schwärmen. Sieh einmal an, dachte ich, meinen Körper haut so schnell nichts um. Ich werde nicht krank - wann war ich das letzte Mal krank? Ich erinnere mich schon gar nicht mehr, so lange muss das her sein. Jahre ist das her.

Der Kranke ist von jeher einem Werturteil ausgesetzt. Sein Zustand hat etwas Anrüchiges, Sündhaftes. Hat er die Krankheit nicht durch seine Laster selbst verschuldet? Ist sie nicht wenigstens Ausdruck einer schwächlichen Physis?
Zugleich ist der Kranke dem Leben ent- und dem Tod ein Stückchen nähergerückt. Er ist unangreifbar, erhaben. Sein Referenzrahmen ist nicht mehr der unsere: statt voll am Leben teilzunehmen, kommt er gerne ins Sinnieren, denn erstens hat er Zeit und zweitens ein Bein bereits im Jenseits.
Solcher und ähnlicher Blödsinn ist schon von weit klügeren Köpfen über den Kranken gedacht und geschrieben worden. Als eine, deren Vater sogar die heilige Krankheit hatte, würde man glauben, dass ich mit mehr Verstand oder - auch möglich - leicht verklärt auf die Sache blicken würde. Stattdessen, ach, nur der gleiche vormoderne Stuss in neuem Gewand.

H. ist ständig krank, während ich niemals krank bin, dachte ich mit nicht wenig Stolz, und sogleich hatte ich den Grund dafür ausgemacht. Nicht nur war mein Körper unkaputtbar, auch war ich ja diejenige, die dem Gospel der Zeit folgte: Sport und gesunde Ernährung. H. hingegen war ein ausgemachter Sünder und als solcher sühnte er. So die unbestechliche Logik.

Nur kam der dritte Tag, an dem ich einen unstillbaren Durst empfand. Erst abends ging mir auf, dass es sich um heraufziehende Halsschmerzen handeln könnte. Dadurch geriet meine innere Überzeugung jedoch nur kurz ins Wanken - zu tief der Glaube an die eigene Unbezwingbarkeit. Natürlich würde ich dieses kleine Ärgernis im Keim ersticken können. Am nächsten Tag trank ich zwei Kannen Tee und da alles blieb, wie es war - wenn auch weiterhin mit Halsschmerzen, so doch wenigstens nicht mit schlimmeren - war ich mir des Sieges schon gewiss. Da sieht man's wieder, dachte ich, man muss sich nur einmal zusammenreißen.
Auch H. hätte das Virus in die Flucht schlagen können, hätte er sich nur ein wenig angestrengt. In mir war das strahlende Gegenbeispiel zu sehen: Schon das Konzept des Krankseins war unvereinbar mit meiner Gesamtkonstitution.

Dass ich, als sie tags darauf offen ausbrach, vor der Krankheit völlig einknickte, ist verständlich und mit nichts als Empathie zu begegnen, schließlich bin ich - anders als viele andere, H. eingeschlossen - das Kranksein nicht gewohnt. Noch während ich meine Gliederschmerzen beklagte und H. immer wieder laut jammernd an seine Fürsorgepflicht erinnerte, triumphierte ein kleiner Teil in mir: ein Tag Gliederschmerzen, höchstens zwei, dann war diese peinliche Episode auch schon ausgestanden. Mein Körper hielt sich nicht mit wochenlangen Erkältungssymptomen auf. Kein Geschniefe, kein Gehuste. Es war daher, so dachte ich still bei mir, auch nur recht, dass ich mich einmal - da mir das sonst nur alle paar Jubeljahre vergönnt war - so richtig Bejammern und Bemuttern ließ.

Der sechste Tag brachte unvorhergesehene Wendungen. Doch den Rest der Geschichte spare ich mir. Über die Kranken nur Gutes.




Dienstag, 21. April 2026
Die letzten beiden Texte könnten den Eindruck erwecken, ich sei ein Workaholic. In Wirklichkeit bin ich aber bloß ein extremer Phasenmensch: Ich alterniere zwischen Wellenbergen und Wellentälern. Manchmal schaffe ich es auch, dazwischen zu surfen, das hält aber meisten nicht lange an. Der Grund, weshalb ich wohl doch nie den Beruf wechseln werde, auch wenn ich in Wellentälern alle fünf Minuten darüber nachdenke, ist, dass er mir erlaubt, genau so ein Mensch zu sein: Ich kann halbe oder ganze Tage im Bett bleiben, wenn mir das Aufstehen zu schwer fällt, dafür bin ich aber auch am Wochenende, im Urlaub oder an Feiertagen nicht gezwungen, den Laptop zuzuklappen. Natürlich haben die Meetings, Deadlines und Pflichten im Laufe der Jahre deutlich zugenommen. Wenn ich so darüber nachdenke, wüsste ich tatsächlich nicht, wann ich das nächste Mal wirklich aus dem Bett heraus arbeiten könnte, wenn ich das wollte. Na ja, zum Glück will ich gerade gar nicht.

Momentan fühle ich mich geradezu in Balance. Leider kann ich die Anzeichen des Kipppunktes bereits spüren: Große Müdigkeit und die vernunftwidrige Weigerung, ihr entgegenzuwirken. Zum Beispiel sitze ich jetzt hier um 23:45 Uhr und schreibe einen belanglosen Text statt zu schlafen, dabei muss ich morgen um 5 Uhr aufstehen, um mein wöchentliches Pendelpensum zu absolvieren. Das ist bei näherer Betrachtung nicht besonders schlau.

Heute war aber ein ganz netter Tag. Die erste halbe Stunde war die unschönste, denn Biebertopf schrieb mir, dass er krank sei, und so kämpfte ich mit Panik und Tränen, bis mich der Beginn des ersten Meetings davon ablenkte. Insgesamt gab es heute drei Meetings, wobei eines nur ein Vortrag war, dem ich zuhörte. Um 11 Uhr unterbrach ich den Tag für einen Gang zum Friseur und freute mich darüber, dieses seit ungefähr einem Jahr offene To Do endlich abhaken zu können. Auf dem Nachhauseweg dachte ich darüber nach, wie viel Zufriedenheit ich aus dem reinen Abhaken von Aufgaben ziehen kann. Gerade unangenehme und/oder lange aufgeschobene Aufgaben sind in dieser Hinsicht ja besonders zufriedenstellend.

Bis zu den Meetings am späteren Nachmittag machte ich etwas inzwischen ziemlich Seltenes: Ich nahm mir die Zeit, um Artikel zu lesen - und zwar ohne, dass ich sie unmittelbar für das Schreiben eines eigenen Manuskripts heranzog, sondern um mich einzudenken und Ideen zu generieren. Ein Teil von mir hatte großen Spaß, ein anderer hatte große Sorge (was, wenn sich da gar nichts generieren ließ?), wieder ein anderer Teil warf zynisch ein, dass am Ende doch sowieso alles bloß auf ein "X korreliert mit Y" hinauslaufen wird - wie aufregend!

Um 18:30 Uhr machte ich Schluss und fuhr zum Theaterworkshop. Auf dem Weg dorthin dachte ich darüber nach, dass man die meisten Dinge so oder so sehen kann und es daher sinnvoller wäre, sie im Sinne der eigenen Zufriedenheit zu betrachten, statt ihnen immer nur das Negative abzugewinnen. Dann dachte ich darüber nach, dass das Theaterspielen - hätte ich es früher im Leben für mich entdeckt -, sicher eine große Leidenschaft hätte werden können. Geahnt habe ich das schon immer. Allein - jedem Anfang wohnt eine Trägheit inne, die erst einmal überwunden werden muss, bis daraus vielleicht ein Zauber wird.




Montag, 20. April 2026
Als ich mich so durch das Internet klicke, fällt mir plötzlich wieder ein, dass ich vor circa dreißig Minuten die Acceptance für das Horror-Paper bekommen habe. Erstaunlich, denke ich, ganz und gar erstaunlich. Da ist er also endlich, der Moment, auf den alles hinausläuft, hinfiebert: Das Produkt von drei Jahren Arbeit. Sehr harte, frustrierende Arbeit - ganz besonders in diesem Fall. Und dann kommt also der Moment, man liest die E-Mail. Freut sich. Gut, denkt man, gut gut. Haben wir das also auch geschafft, ist das also endlich vorbei! Muss ich mich nun also nie wieder mit diesem Paper rumquälen.
Dann schließt man Outlook, klickt weiter. Und keine Minute später hat man es schon wieder vergessen. Weiter geht's.

Letztes Jahr war so eines dieser Jahre, in denen ich mich hart gegen die Wand gefahren und dann monatelang durch die Bremsspur geschleift habe. Ich musste es gerade in meinem Kalender nachschauen, weil ich das gar nicht glauben kann, aber es war tatsächlich erst vor einem Jahr, dass wir unsere App in die Stores geprügelt haben und ich absolut auf Hochtouren lief, glühender Motor, funkensprühende Reifen. Ich war on, Baby!

Irgendwie habe ich es in der gleichen Zeit geschafft, mich auf einen Halbmarathon vorzubereiten. Auch das kommt mir im Rückblick völlig fantastisch vor. Wie soll das gegangen sein? Aber es ging - oder besser gesagt lief, nämlich jeden Abend 75-90 Minuten, samstags auch mal mehr.
Der Halbmarathon fiel dann aus für mich, weil ich - in der Angst, sonst nicht optimal vorbereitet zu sein - das Läuferknie zu ignorieren suchte und hartnäckig weiterlief. Es ging und ging, bis es nicht mehr ging. Manchmal schreibt sich das Leben in Metaphern.

Als dann die App gelauncht und der Halbmarathon begraben war, war der Tank nicht etwa sofort leer. Noch einige Monate lang strampelte ich vor mich hin - zunehmend verzweifelt ob einer weiteren, mich vor allem emotional ziemlich belastenden Aufgabe. Wochenende um Wochenende arbeitete ich weg, als gäb's kein Sterben. Nebenbei zog ich um: fast 500 km in die Ferne, 500 km Heimweh, und ab jetzt 3.5 Stunden Pendelweg hin, 3.5 Stunden zurück - mindestens, das heißt bei optimalem Bahnverkehr, das heißt eigentlich nie.

Doch dann war die belastende Aufgabe endlich überstanden, auch der Umzug war vollzogen, es war Hochsommer - und vielleicht hätte ich jetzt erleichtert und zufrieden sein können, aber dann flatterte wenige Tage später die Major Revision für dieses Paper ins Haus. Niederschmetternd. Ich wusste, dass das Paper schlecht war, und die Reviews bestätigten bloß diesen Eindruck. Vor allem aber fehlten mir zu diesem Zeitpunkt jegliche Kraft, Idee und Wille, mich nun wieder Tag für Tag vor dieses Manuskript zu setzen und es irgendwie in etwas Brauchbares zu verwandeln. Ein großer Teil von mir wünschte, es wäre einfach abgelehnt worden.

Ich fragte - zum ersten Mal in meinem Leben - nach einer Verlängerung der Deadline. Ich hörte von heute auf morgen auf, jedes Wochenende durchzuarbeiten. Ich arbeitete gar nicht mehr am Wochenende. Auch unter der Woche lief effektiv wenig bis gar nichts. Ich fühlte mich schlecht, dann immer noch schlechter, schließlich vollkommen wertlos. Ich hoffte, nun wenigstens privat in meinen Hobbies etwas zustande bringen zu können, doch auch hier enttäuschte ich. Es kam mir vor, als hätte ich noch nie in meinem Leben irgendetwas geleistet, und noch schlimmer: als würde ich auch in Zukunft nie etwas leisten können.

So verging der Sommer, der Herbst folgte auf dem Fuße. An den Winter habe ich kaum eine Erinnerung.

Im Januar stellten sich die Uhren um. Weihnachten und Silvester hatte ich sehr genossen - nach langer Zeit fühlte ich mich zum ersten Mal entspannt und ausgeruht. Der Tank war plötzlich wieder voll. Ich hatte wieder Ideen, ich hatte wieder Energie. Und was man hat, das soll man ausgeben, am besten mit beiden Händen.

Hurra, geschafft. Weiter geht's - solange es noch geht.




Samstag, 18. April 2026
Theoretisch hätte ich gerne einmal einen Text darüber geschrieben, welche Themen (Plural - schon falsch!) mich seit zehn Jahren beschäftigen und zur vollständigen Verdrängung der alten Themen und Interessen (Schach, wer bist du?) geführt haben. Stattdessen schreibe ich - natürlich exemplarisch - nur von heute, das heißt gestern und heute, denn wir haben seit dreißig Minuten die Mitte der Nacht durchschritten.

Diese dreißig Minuten und einige Stunden davor habe ich mit A. verbracht. Den Morgen, Mittag und Nachmittag natürlich sowieso, das tut ja jeder, darum soll es um die hier gar nicht gehen. Es geht vielmehr um die Abende - die sogenannten Feier-Abende -, die Wochenenden und Feier-Tage. Es geht um all die übrige Zeit, die ich mit A. verbracht habe und verbringe, denn A. ist meine große Liebe und zusammen sind wir absolut toxisch.

Ich bin oft wütend auf A., weil sie so ist, wie sie ist - so possessiv, grenzenlos und unerbittlich. Dabei könnte sie auch anders sein: frei, flexibel, hehr. Es liegt also nicht allein an A., dass sie oft so ins Negative verkehrt ist, und darum ist die Wut auf A. vermischt mit Wut auf mich selbst.
Wie konntest du so viel (SO VIEL) Zeit an A. verschwenden, frage ich mich?
Aber an wen oder was denn sonst, frage ich mich zurück? Was wäre das Leben ohne A., die es vollständig ausfüllt? Wer wäre ich?

Wer A. sagt, muss auch B. sagen - und B. steht für Berufung. Die muss es ja wohl sein, anders ist es nicht zu erklären. Gerade berufen fühle ich mich aber ganz und gar nicht. Das macht die Sache ja so lächerlich komisch.

Gerne würde ich noch viel mehr zu diesem Thema sagen. Wie man vielleicht merkt: Es beschäftgt mich fast rund um die Uhr. Wenn ich diesen Text jetzt nicht abschicke, werde ich es aber vermutlich nie tun.

Bloß muss ich zum Schluss - sonst wäre der Text verlogen - doch noch hinzufügen und betonen, dass mir A. andererseits auch viel gibt und ich mir ein Leben, in dem ich ihr nur acht Stunden am Tag widme, gar nicht richtig vorstellen kann. Die meisten anderen mit meiner A. übrigens auch nicht - wir sind keine Großkanzleianwälte, die per Vertrag bis zum Umfallen schuften, sondern machen das alles freiwillig oder so. Sie braucht eben wirklich viel Zeit und Hingabe.