Es ist die Zeit des Luftanhaltens. Einen langen Atemzug lang durch und halten und irgendwann, irgendwann wird es durchgestanden oder werde ich ertrunken sein.
Im Aufwachen, noch bevor mein Denken einsetzt, weiß ich schon, es ist zu früh. Gestern war es zu früh. Auch vorgestern und das Gestern davor. Ebenso war es zu spät: vorgestern, gestern, heute, morgen. Die Nacht brennt von zwei Seiten. Ich versuche zu atmen, tief bis in die flaue Magengrube hinein, tief ins Herz des Unwohlseins. Der Brustkorb stemmt sich, hebt sich, flattert, sinkt. Auf halber Höhe gibt er auf.
Ich gehe spazieren. An meiner Seite trotten: flauer Magen, schwere Brust. Zwei treue Straßenköter. Ich bin zu schwach, sie wegzutreten, und nun habe ich mich schon an sie gewöhnt. Sie kreisen mit mir auf den immer gleichen Runden. Wir gehen über Brücken und denken an die Zukunft, zermartern uns das Hirn, das eine, und wenn wir auch von den Brücken wieder auf festen Boden treten, scheint die Lage doch weiterhin aussichtslos. Auf dem Rückweg denke ich nach über die Lage, der Magen wird flauer, die Brust wird schwerer, und ich denke, dass ich mich mehr anstrengen muss mit den Gedanken. Dass ich bessere Gedanken denken muss. Dass alles auf den richtigen Gedanken ankommt. Dass ich mich nicht so anstellen darf, nicht den flatternden, zitternden Gedanken auf den Leim gehen darf, dass ich den starken, mutigen, aufrechten Gedanken nachjagen muss. Aber auch dieser Gedanke ist falsch, natürlich, ganz falsch, wie auch sein Gegenteil falsch ist und alles immer falsch und fälscher wird, je länger wir darüber nachdenken. Es gibt kein richtiges Denken im Grübeln.
Die Tiefsee ist schwarz wie das All, bedrängt und bedrückt sitze ich am Staupunkt der Nacht. Ich lasse sie über und unter und durch mich strömen. Die Ohren rauschen, die Schädeldecke vibriert. Ich höre nach innen und merke dabei nicht, wie still es in Wahrheit geworden ist, eine ganze Weile fällt es mir nicht auf. Die Sekunden werden zu Minuten, überspringen die Stunden und Tage. Wochen später sitze ich noch immer hier, am Grund der Zeit. Stumm und starr harre ich aus.
Am Schreibtisch, tagein, tagaus. Ich will nach Hause, kritzle ich auf ein Stück Papier und lächle in die Kamera. Wieder und wieder fahre ich die Buchstaben nach. Ich ergänze ein Ausrufezeichen. Ich nicke. Gute Idee, sage ich. Toll gemacht. Ich danke dir. Meine Kachel zeigt einen fröhlichen, freundlichen Menschen. Ich kann den Blick nicht wenden von dieser Kachel, meiner Kachel, während der Stift blind über das Papier gleitet. Die Kacheln der anderen sind mir egal, sind ihre Pflicht und Attraktion. Und was können wir schon wissen über die Kacheln der anderen? Was ergründen von ihrem verschlossenen Ich?
Ich gehe zum Bäcker:
Was darf es sein?
Einmal den Kopf ab, bitte.
Bitte?
Und ein Brötchen.
Das haben wir nicht.
Kein Brötchen?
Kein Kopf ab.
Schade.
Zum Metzger.
Wie?
Zum Metzger müssen Sie gehen.
Das geht nicht.
Wie?
Die Metzger sind verschwunden. Dort, wo früher die Metzger waren, sind heute Bäcker wie Sie, und wo früher die Bäckereien waren, sind heute Bäckereien wie die Ihre. Außer Bäckern gibt es nichts mehr: Metzger nicht, Schuster nicht, Bürsten- und Kämmemacher nicht. Selbst die Bäcker, die es früher gab, gibt es nicht mehr. Bäcker wie mein Opa, wissen Sie.
Was macht Ihr Opa heute?
Mein Opa ist tot.
Oh.
Ja.
Hat Ihr Opa noch den Kopf abgemacht?
Ja.
Altes Handwerk.
Ja.
Ich bin gar kein Bäcker.
Wie?
Ich bin hier Verkäufer. Ich verkaufe die Ware. Die Ware wird geliefert. Ich backe sie auf.
Sie backen sie auf.
Ja.
Sie wird geliefert.
Ja.
Also ist es vergebens?
Sie müssen zum Metzger gehen.
Es gibt keine Metzger mehr.
Tausend Meilen über mir ist der Sommer vorübergezogen. Wütend ist er gewesen, eine Brandrede hat er gehalten. Seine Worte waren flammende Schwerter. Einmal löschte er die Sonne aus und schleuderte sie umso brutaler zurück in unseren Schoß. Noch auf dem Rückzug stößt er Drohungen aus. Auch ich bin zornentbrannt. Auch ich bin zurückgeworfen auf Elementares. Keine Sprache für uns Atemlose.
Im Aufwachen, noch bevor mein Denken einsetzt, weiß ich schon, es ist zu früh. Gestern war es zu früh. Auch vorgestern und das Gestern davor. Ebenso war es zu spät: vorgestern, gestern, heute, morgen. Die Nacht brennt von zwei Seiten. Ich versuche zu atmen, tief bis in die flaue Magengrube hinein, tief ins Herz des Unwohlseins. Der Brustkorb stemmt sich, hebt sich, flattert, sinkt. Auf halber Höhe gibt er auf.
Ich gehe spazieren. An meiner Seite trotten: flauer Magen, schwere Brust. Zwei treue Straßenköter. Ich bin zu schwach, sie wegzutreten, und nun habe ich mich schon an sie gewöhnt. Sie kreisen mit mir auf den immer gleichen Runden. Wir gehen über Brücken und denken an die Zukunft, zermartern uns das Hirn, das eine, und wenn wir auch von den Brücken wieder auf festen Boden treten, scheint die Lage doch weiterhin aussichtslos. Auf dem Rückweg denke ich nach über die Lage, der Magen wird flauer, die Brust wird schwerer, und ich denke, dass ich mich mehr anstrengen muss mit den Gedanken. Dass ich bessere Gedanken denken muss. Dass alles auf den richtigen Gedanken ankommt. Dass ich mich nicht so anstellen darf, nicht den flatternden, zitternden Gedanken auf den Leim gehen darf, dass ich den starken, mutigen, aufrechten Gedanken nachjagen muss. Aber auch dieser Gedanke ist falsch, natürlich, ganz falsch, wie auch sein Gegenteil falsch ist und alles immer falsch und fälscher wird, je länger wir darüber nachdenken. Es gibt kein richtiges Denken im Grübeln.
Die Tiefsee ist schwarz wie das All, bedrängt und bedrückt sitze ich am Staupunkt der Nacht. Ich lasse sie über und unter und durch mich strömen. Die Ohren rauschen, die Schädeldecke vibriert. Ich höre nach innen und merke dabei nicht, wie still es in Wahrheit geworden ist, eine ganze Weile fällt es mir nicht auf. Die Sekunden werden zu Minuten, überspringen die Stunden und Tage. Wochen später sitze ich noch immer hier, am Grund der Zeit. Stumm und starr harre ich aus.
Am Schreibtisch, tagein, tagaus. Ich will nach Hause, kritzle ich auf ein Stück Papier und lächle in die Kamera. Wieder und wieder fahre ich die Buchstaben nach. Ich ergänze ein Ausrufezeichen. Ich nicke. Gute Idee, sage ich. Toll gemacht. Ich danke dir. Meine Kachel zeigt einen fröhlichen, freundlichen Menschen. Ich kann den Blick nicht wenden von dieser Kachel, meiner Kachel, während der Stift blind über das Papier gleitet. Die Kacheln der anderen sind mir egal, sind ihre Pflicht und Attraktion. Und was können wir schon wissen über die Kacheln der anderen? Was ergründen von ihrem verschlossenen Ich?
Ich gehe zum Bäcker:
Was darf es sein?
Einmal den Kopf ab, bitte.
Bitte?
Und ein Brötchen.
Das haben wir nicht.
Kein Brötchen?
Kein Kopf ab.
Schade.
Zum Metzger.
Wie?
Zum Metzger müssen Sie gehen.
Das geht nicht.
Wie?
Die Metzger sind verschwunden. Dort, wo früher die Metzger waren, sind heute Bäcker wie Sie, und wo früher die Bäckereien waren, sind heute Bäckereien wie die Ihre. Außer Bäckern gibt es nichts mehr: Metzger nicht, Schuster nicht, Bürsten- und Kämmemacher nicht. Selbst die Bäcker, die es früher gab, gibt es nicht mehr. Bäcker wie mein Opa, wissen Sie.
Was macht Ihr Opa heute?
Mein Opa ist tot.
Oh.
Ja.
Hat Ihr Opa noch den Kopf abgemacht?
Ja.
Altes Handwerk.
Ja.
Ich bin gar kein Bäcker.
Wie?
Ich bin hier Verkäufer. Ich verkaufe die Ware. Die Ware wird geliefert. Ich backe sie auf.
Sie backen sie auf.
Ja.
Sie wird geliefert.
Ja.
Also ist es vergebens?
Sie müssen zum Metzger gehen.
Es gibt keine Metzger mehr.
Tausend Meilen über mir ist der Sommer vorübergezogen. Wütend ist er gewesen, eine Brandrede hat er gehalten. Seine Worte waren flammende Schwerter. Einmal löschte er die Sonne aus und schleuderte sie umso brutaler zurück in unseren Schoß. Noch auf dem Rückzug stößt er Drohungen aus. Auch ich bin zornentbrannt. Auch ich bin zurückgeworfen auf Elementares. Keine Sprache für uns Atemlose.