Nach kurzer Nacht mit Ich-will-nicht-Intermezzo an einem Sonntag um 5:15 Uhr aufstehen, in den Zug steigen und auf dem Weg die Absage des Reisegefährten entgegennehmen, der die Chose erträglich machen sollte. Beim Zwischenstopp in der Furt D-Mann und Sternchen im Café treffen. Dabei erfahren, dass sich die postpartale Depression nicht etwa langsam verflüchtigt, sondern im Gegenteil. Zwei Stunden lang mit der Hoffnungslosigkeit diskutieren, Handlungsmöglichkeiten erörtern, die eigenen Tränen zurückhalten und sich mit bangem Gefühl verabschieden. Noch mal drei Stunden Zug fahren. Beim Ausstieg die Ehemalige treffen und sie während der einstündigen Busfahrt über die Grenze von ihren neuen Abenteuern erzählen lassen: vier Konferenzen in fünf Wochen, Lehre, Studien, erste Antragspläne. Beim Abendessen eine nicht sehr überzeugende Stellungnahme zur eigenen Zukunft abgeben und dabei verlogen mit den Schultern zucken, als würde einen die Plan- und Perspektivlosigkeit nicht tangieren. Um 19:00 Uhr die Weiterfahrt zum Hotel antreten. Vierzig Minuten lang vergeblich auf den Bus warten, weil das Schild, das über den Ausfall der Haltestelle informiert, in einer fremden Sprache verfasst ist. Immer wieder “ich bin sehr müde” ins Handy murmeln und von H. aufmunternde Worte entgegnen lassen. An der richtigen Haltestelle warten. In den Bus einsteigen und wieder Hoffnung schöpfen. Sich nicht dadurch aus der Bahn werfen lassen, dass der Bus jeden Halt in Übereinstimmung mit Google Maps ansteuert, bloß nicht den eigenen. An einer Schnellstraße entlang zum Hotel laufen. Das Stirnrunzeln der Rezeptionistin stoisch aushalten und ihr die Reservierung zeigen. Die Information einsickern lassen, dass sich ein Hotel mit gleichem Namen am anderen Ende der Stadt befindet. Zwanzig Minuten lang auf den Bus warten und dabei völlig aus der Bahn geworfen sein. “Ich bin sehr müde” ins Handy weinen. Um 21:45 Uhr im richtigen Hotel ankommen und während des zehnminütigen Telefonats des Rezeptionisten apathisch auf den Boden starren. Im Bett das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt googeln.
pancreases | 07. September 26 | 0 Kommentare
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