Mal eine Woche Tagebuch. Wenn ich das für mich selbst mache, kommen dabei immer Hammersätze raus, richtig 1A Literatur. Ich hasse alles. Ich will nicht aufstehen. Hol mich hier raus. Sowas halt.

Ich muss mich beeilen, denn ich habe mir vorgenommen, früh ins Bett zu gehen. Um neun. Jetzt ist es vierzig nach neun, also zwanzig vor zehn, also leck mich am Arsch.
Sehr müde aufgewacht. Gestern Fußball geschaut, obwohl mich Fußball gar nicht interessiert (es war dann auch stinklangweilig). Brauchte eine Ausrede, um noch nicht ins Bett gehen zu müssen. Das Wochenende sollte noch nicht zu Ende sein. Bloß nicht Montag werden lassen. War leider schon Montag, als ich ins Bett ging.

Habe mir am Wochenende erstmals eingestanden, dass ich wahrscheinlich um die zehn Stunden Schlaf brauche. Wenigstens in einer Sache überdurchschnittlich.

Um sechs Uhr aufgewacht, liegen geblieben. Ich bin ja durchaus oft früh wach. Den Widerspruch zum vorherigen Absatz löse ich jetzt nicht auf.
Bin also Frühaufwacher, aber nicht Frühaufsteher. Begreife nicht, wie es Leute schaffen, aufzustehen und den Tag zu starten. Der Tag kann mich mal. Ich will ihn so lange wie möglich aufschieben.
GRM fertig gelesen. Dann noch mal Augen zugemacht und gehofft, dass es nie losgeht.

Arbeitstag damit begonnen, mich erst mal zu "organisieren". Hinhaltetaktik. Halbe Stunde in schlecht unterdrückter Ängstlichkeit verbracht. Mich dann endlich überwunden, den Anruf zu tätigen. Voicemail. Erleichterung. Schnell aufgelegt. Mich gesammelt. Wieder angerufen. Nachricht hinterlassen.

Fröhlich losgepowert. Aufgabe für diese Woche: PowerPoint. Vortrag vorbereiten. Verdammt viel Vergnügen (nicht). Wann war das, als man immer "nicht" am Satzende hinzugefügt hat? 2010, schätze ich.

Viertelstunde später: Rückruf. Ich mit sehr verstellter, sehr professioneller Stimme losgeredet, dabei innerlich mit mir geschimpft, was das für eine Fakestimme ist und ob ich nicht einfach mal ich selbst sein kann. Fünf Sätze später geklärt, dass ich mich nicht auf die Stelle bewerben brauche, auf die ich mich sowieso nicht richtig bewerben wollte. Weil mein Studienfach nicht explizit in der Ausschreibung steht. WTF, dann halt nicht.

Weiter PowerPoint. Mal schön die KI ersten Entwurf erstellen lassen. Entwurf leider mittelschlecht. Vor Langeweile fast zerflossen. Plötzlich war Mittag. Gelegenheit genutzt, um die Langeweile wenigstens kurz mit Essen zu bekämpfen. Schnell zum Supermarkt, Banane gekauft. Alles besser als weitersitzen. Dann zweieinhalb Stunden Meetings. Selbst Meetings besser als PowerPoint. Nur in der letzten halben Stunde zurück zu Slide 2 gesehnt. Es ging um Datenschutz.

Nach den Meetings gestaunt, wie wenig ich schon geschafft hatte. Praktisch nichts. Also erst mal andere Sachen erledigt. Am späten Nachmittag drehe ich oft auf. Eigentlich sollte ich erst um fünfzehn Uhr anfangen, zu arbeiten. Oder es braucht die vielen Stunden Leerlauf, bis die Machine anspringt, keine Ahnung, werde es nicht herausfinden.

Nachmittag damit verbracht, über anderer Leute Arbeit nachzudenken und mehr oder weniger hilfreiches Feedback zu geben. Gedanken unterdrückt, dass die Studie, die wir gerade planen, auch einfach komplett in die Hose gehen könnte. Frage untedrückt, ob das dann meine Schuld ist. Grimmig weiterkommentiert: was man wie wo besser.

Am Abend wieder der PowerPoint zugewandt. Plötzlich kam sie, die Motivation, die Inspiration. Da war es aber leider schon achtzehn Uhr. Früher hätte ich dann einfach bis spätabends weitergemacht, Schwung mitgenommen. Aber heute ist nicht früher.

Noch eine Stunde rumgebastelt, dann aufgehört, als H. nach Hause kam. Staub gewedelt, Bad geputzt, Böden gewischt. Hatte ich mir am Morgen spaßiger vorgestellt. Nach der Arbeit mal schön putzen. War dann doch unspaßig wie immer.
Kurz rausgegangen. Kleiner Spaziergang auf der immer gleichen Strecke. Man müsste bereits meine Gehrinne im Asphalt sehen. Fünftausend Schritte voll gemacht. Darf ich gar nicht drüber nachdenken. Am besten die Uhr wegschmeißen. Denke ich dann immer, aber mache es nie.

Essen und so weiter. Den ganzen Abend gedacht, dass ich mich heute endlich mal dehnen werde. Nicht gedehnt. Müde in den Sessel gesetzt. Ganz schlechte Idee, aus dem kommt man nicht mehr hoch.

Hier sitze ich noch und es ist gleich elf Uhr und ich hasse das. Will morgen nicht aufstehen. Das war Tag 1.